Die Nacht begann wie jede andere – still, lau, mit einem Hauch von Sommer, der über den Gärten hing. Doch für Jonas sollte sie die letzte gewöhnliche Nacht seines Lebens sein.
Der Himmel war bereits tintenschwarz, als Jonas die Terrassentür aufstieß. Er liebte dieses Ritual: ein spätes Grillen, ein Bier, das Knistern der Kohlen. Etwas, das ihn erdete. Etwas, das ihn vergessen ließ, wie leer das Haus seit dem Tod seiner Frau geworden war. Er schichtete die Kohlen, träufelte den Anzünder darüber und zündete ein Streichholz an. Die kleine Flamme zitterte im Wind – und er lächelte. Doch kaum berührte das Feuer die Kohlen, zuckte ein seltsames Fauchen aus der Tiefe des Grills. Nicht das übliche Knistern. Kein harmloses Aufflackern. Es klang… lebendig.
Jonas beugte sich vor. Ein Fehler. Die Glut schoss hoch – viel zu hoch – und formte sich zu einer Gestalt, die sich aus dem Feuer erhob wie ein Albtraum aus einer anderen Welt. Flammen wanden sich zu Armen, zu einem Schädel, zu einem Rumpf, der aus purem, brennendem Hass bestand. Augen wie zwei glühende Kohlen bohrten sich in Jonas’ Blick. Er stolperte zurück, fiel fast über den Gartentisch. Der Dämon trat aus dem Grill, als bestünde die Welt aus nichts weiter als brennbarem Fleisch.
»Du hast mich geweckt.« Die Stimme war ein Kratzen, als würde Metall über Knochen schaben. Jonas’ Herz raste. Er wollte schreien, doch seine Kehle war wie zugeschnürt. Der Dämon setzte einen Fuß auf die Terrasse – und das Holz begann sofort zu schwelen. Jonas rannte.
Er stürmte durch den Garten, über den Rasen, der unter seinen Füßen zu verdorren schien. Hinter ihm hörte er das langsame, genüssliche Knacken von brennendem Holz, das stetige, unaufhaltsame Näherkommen der Kreatur. »Du hast mich entfacht. Nun folge ich dir.« Jonas erreichte das Gartentor, riss es auf und stolperte auf die Straße. Doch die Nacht war nicht mehr dunkel. Ein unheilvolles, flackerndes Licht breitete sich aus, als würde die Welt selbst in Brand geraten. Er rannte weiter, doch der Dämon schien nicht zu gehen – er glitt. Immer näher. Immer heißer. Die Luft wurde so warm, dass Jonas’ Haut brannte. Sein Atem ging stoßweise, seine Beine gaben nach. Er fiel auf die Knie.
Ein Schatten aus Feuer beugte sich über ihn. »Alles was brennt, gehört mir.« Jonas hob den Kopf – und sah in die glühenden Augen des Wesens, das er selbst entfesselt hatte.
Die Nachbarn fanden am nächsten Morgen nur Asche. Einen verbrannten Grill. Und ein seltsames, schwarzes Brandmal im Asphalt, das aussah wie ein Fußabdruck… aber viel zu groß, viel zu tief, viel zu heiß.
Man sagt, in manchen Nächten, wenn jemand spät grillt, hört man ein leises Fauchen aus der Glut. Und manchmal… wenn man sich zu weit vorbeugt… erhebt sich etwas.






