Schutzmaßnahmen gegen Vampire

Dracula
Bela Lugosi als Dracula
Universal Pictures, 1931

In der Nacht erheben sie sich aus ihren Särgen, um ihren Hunger nach frischem Lebenssaft zu stillen, der ihnen wieder frische Energie und Kraft verleiht. So kann man das Verhalten eines Vampirs umschreiben, der sich nachts erhebt um sich auf die Suche nach frischem Blut zu begeben.

Die Angst vor den Toten, die auf unheimliche Weise wieder zum Leben erwachen und den Hinterbliebenen schaden konnten, ist sehr alt. In alten Legenden und Märchen tauchen Geschichten über blutsaugende Geschöpfe bereits im alten China, Ägypten, den Stämmen Innerasiens, Griechenland und sogar bei den Römern auf. Blut, so wusste man, ist jene Lebenskraft, die den Körper am Leben und Laufen erhält. Wenn es nun eben Wesen gab, die aus irgendwelchen magischen Gründen nicht wirklich sterben konnten, so war es nur logisch, dass diese immer wieder frisches Blut brauchten, um ihre Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Diese „Untoten“ konnten also über Jahrhunderte existieren, sofern diese immer wieder neue Opfer fanden, denen sie den dringend benötigten Lebenssaft aussaugen konnten.

Zwar hat der klassische Vampir nur wenig mit den modernen Vampiren gemein, die erst in den letzten beiden Jahrhunderten durch Literatur und Film geprägt wurden und somit neue Eigenschaften zum Mythos dazuerhielten, aber schon seit jeher versuchte sich der Mensch gegen Vampire auf vielfältige Art und Weise zur Wehr zu setzen. In vielen Gebieten Asiens zog man einen Kreis aus Salz um das Bett herum, da man glaubte, das Salz würde vor bösen Geistern und Untoten Schutz bieten. Silber sagt man ähnliche Fähigkeiten nach, weshalb man auch Kreise aus Silberstaub um die Betten herum zog, sofern man sich dieses leisten konnte. Viele Menschen trugen in der Dunkelheit bestimmte Talismane mit sich, die vor den Übergriffen der Untoten schützen sollten.

Mit Einzug des Christentums kamen schließlich weitere Gegenstände zum Einsatz, die durch ihren Bezug zum Christentum und somit der guten Macht Gottes weiteren Schutz vor den bösen Einflüssen der Vampire boten. An erster Stelle muss man hier das Kreuz erwähnen, von dessen guter Kraft und Macht ein Vampir abgestoßen wird. In Osteuropa verwendete man auch Kreuz- und Weißdornzweige als Schutzsymbol gegen Vampire, da man glaubt, dass die Dornenkrone Christi aus Weißdornzweigen bestand. Besondere Wirksamkeit sollten diese Gegenstände durch die Weihung eines Priesters erhalten. Sollte ein Vampir mit einem solchen Gegenstand in Kontakt geraten, so würde ihm dies schlimme Schmerzen und Verbrennungen am Körper zufügen. Die selbe Wirkung soll auch Weihwasser verursachen, sofern man einen Vampir damit besprenkelt, da es durch die Weihung eines Priesters ebenfalls böse Kräfte bekämpfen kann.

Eine weitere Möglichkeit zur Abwehr von Vampiren bezieht sich auf dem Glauben, das Vampire, obwohl diese wegen ihrer grausigen Mahlzeiten aus dem Mund stanken, eine tiefe Abneigung gegen strenge Gerüche haben. So hängte man vor allem in Osteuropa Knoblauch an Türen, in Häuser und Schlafzimmer, da man diesem nachsagt, das Vampire den strengen Geruch dieser Pflanze als äußerst unangenehm empfinden und diesen deshalb meiden. Man trug aus Angst vor Vampiren oftmals auch Ketten aus Knoblauch am Körper oder stellte Salben aus Knoblauch her, mit denen man sich für die Nacht einrieb. Neben Knoblauch gab es auch andere Möglichkeiten sich mittels unangenehmer Gerüche vor Vampiren zu schützen. So schworen viele Menschen darauf ein Stück Stoff mit menschlichem Kot zu bestreifen und dieses während der Nacht auf der Brust zu tragen. Sollte ein Vampir diesen Geruch wahrnehmen, so würde sich dieser angewidert wieder von seinem Opfer abwenden. In manchen Gebieten ging man soweit, dass man tote Tiere wie Katzen, Hunde, Ratten oder gar Schweine an die Türen der Häuser nagelte, da der strenge Geruch des Todes den Vampir zur Umkehr zwang.

Da Vampire nicht als Unverletzlich galten, nahmen viele Menschen zudem noch scharfe Gegenstände mit ins Bett, die meist unter dem Kopfkissen in greifbarer Nähe aufbewahrt wurden. Sollte sich ein Vampir trotz anderer Schutzmaßnahmen dennoch dem Bette nähern, so konnte man sich letztendlich immer noch im Nahkampf verteidigen, wenn man den Vampir nur stark genug verletzte oder diesem gar den Kopf abschlug. Als sicherste Lösung für einen solchen Fall galt ein tiefer Stich oder Schnitt in den Hals des Vampirs.

Alle bisher aufgeführten Schutzmaßnahmen beziehen sich darauf, wenn ein Vampir in der Nacht sich bereits auf Opfersuche befand. Doch der sicherste Schutz vor einem Vampir bestand immer noch darin, diesen bereits beim Verlassen seines Grabes zu hindern. Hierzu entwickelte man im Laufe der Jahrhunderte etliche Maßnahmen. Bereits während der Antike war es bei den Griechen Brauch gefährdeten Verstorbenen einen Obolus (kleine Münze) aus Silber in den Mund zu legen, um das eindringen böser Geister zu verhindern. Die Griechen waren in der Antike der Ansicht, falls ein böser Geist in den Körper eines Leichnams schlüpfen würde, so musste dieser zwangsläufig als Vampir wieder auferstehen. Mit aufkommen des Christentums änderte sich dieser Brauch und ersetzte den Obolus gegen Kreuze aus Wachs oder festem Baumwollgarn, das man den Toten auf die Lippen legte.

In Russland und in einigen Gebieten Osteuropas setzte man den gefährdeten Toten eine Silbermünze operativ ins Herz, damit diese durch deren Macht daran gehindert wurden als Vampire wiederzukehren. Übrigens beruhte der Glauben an die Macht des Silbers auf verschiedenen Beobachtungen und Weisheiten, die die Menschen im Laufe der Zeit sammelten. So wirkt Silber keimtötend, weshalb man früher z.B. auch eine Silbermünze in frische Milch legte, damit diese nicht Sauer wurde. In vielen osteuropäischen Ländern war es zudem Brauch Särge mit silbernen Nägeln zu verschließen, da man hoffte somit Vampire in ihre Särge zu bannen.

In Ungarn und Rumänien war es lange Zeit Brauch die Toten mit einer Sichel um den Hals zu bestatten, so dass diese sich, sofern sie dem Grab zu entkommen versuchten, selbst den Kopf abschnitten. Die Angst vor der Wiederkehr als Blutsauger veranlasste die Rumänen dazu, besonders gefährdeten Toten, zu denen auch Unverheiratete zählen, diesen bei der Bestattung eine Sichel durch das Herz zu treiben.

Im Norden Europas, wie Norwegen und Finnland, war es üblich den Toten die Füße oder die Knie zusammenzubinden, damit sich diese nicht aus dem engen Sarg befreien konnten. Eine andere Praktik in Finnland war es, Pfähle in das Grab zu treiben, damit der Leichnam am Boden festgeheftet wurde. In besonderen Verdachtsfällen wurden die Toten sogar mit Pfählen in das Grab gepfählt, so dass diese niemals auferstehen konnten.

Eine andere Bestattungsmethode für gefährdete Personen entwickelten die Bulgaren und Serben. Man rasierte den Toten mit Ausnahme des Kopfes jegliche Körperbehaarung ab, steckte Weißdorn in den Bauchnabel und schlitzte die Fußsohlen mit einem Messer auf. Zum Schluss nagelte man den Hinterkopf an den Boden des Sarges. Auch so wollte man die Auferstehung als Vampir verhindern.

Alle hier genannten Beispiele sind lediglich die häufigsten Schutzmaßnahmen gegen Vampire. In einigen Gebieten haben sich Bewohner noch weitere Methoden zum Schutz einfallen lassen, die aber in der Regel nur Variationen der hier aufgeführten Praktiken sind. In dieser kurzen Einführung wurde bewusst nicht auf direkte regionale Rituale eingegangen, ebensowenig wie auf magische Beschwörungen zum Schutz vor Vampiren. Auch fehlen hier Beschreibungen von Schutzmaßnahmen, die man aus diversen Vampirromanen oder Filmen kennt, da diese wie bereits angesprochen nichts mit dem realen und klassischen Vampir gemein haben.

 

ParaMagazin: Ausgabe 2

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