Die geheimnisvolle Phantominsel Bermeja

Insel Bermeja
Die Insel Bermeja, wie diese auf alten Seekarten verzeichnet wurde.

Die Insel Bermeja war über Jahrhunderte auf Seekarten verzeichnet, im Golf von Mexiko, etwa 100 Kilometer vor der Halbinsel Yucatans gelegen. Als man schließlich im Jahr 2009 diese Angaben überprüfte, wurde die Insel zu einem immer größer werdenden Rätsel, das möglicherweise gar einen kryptozoologischen Hintergrund besitzt.

Ein Team mehrerer Fachrichtungen der Universität von Mexiko-Stadt war im Auftrag der mexikanischen Regierung im Sommer 2009 mit der Suche nach dieser mysteriösen Insel beauftragt. Mit Echolotmessungen wurde auf einer Fläche von über 10.000 Quadratkilometern nach dieser Insel an den angegebenen Koordinaten gesucht, man fand jedoch keinen Hinweis darauf, dass diese Insel an den vermeintlichen Koordinaten jemals existierte. Unter den auf den Karten verzeichneten Koordinaten 22°33′N, 91°22′W existieren in einer Tiefe von 1.400 Metern lediglich stabile Meeressedimente.

Allerdings ist an dieser Stelle immer wieder eine Insel erwähnt. In alten Aufzeichnungen spanischer Seefahrer kam die mysteriöse Insel immer wieder vor. Die Insel Bermeja wurde 1539 von Alonso de Santa Cruz erstmals gesichtet und in einer Karte verzeichnet. Basierend auf diesen Angaben wurde die Insel offiziell in alle Seekarten aufgenommen.

Die spärlichen Beschreibungen der Insel indes berufen sich nur auf Sichtungen eben jener mysteriösen Insel, niemand habe Fuß auf sie gesetzt. Als Mexiko im 19. Jahrhundert die kartografischen Methoden der USA übernahm, kamen erste Zweifel an der Existenz der Insel auf. Seekarten ab dem Jahr 1840 verzeichnen die Insel zwar, doch mit einem Fragezeichen versehen. Die Insel wurde nicht wieder gesichtet, auch weitere Beschreibungen der Insel sind nicht mehr vorhanden.

So kam es, dass man die Insel als mögliche Vulkaninsel einstufte, dessen über die Meeresoberfläche reichender Kegel wohl in sich zusammengestürzt sei und die Insel somit wieder im Meer versank.

Der wissenschaftliche Nachweis sollte die Debatte rund um verschiedene Theorien über das vermeintliche Verschwinden der Insel beenden. Ein mexikanischer Ex-Präsident hatte z.B. die CIA verdächtigt, Bermeja aus taktischen Gründen gesprengt zu haben.

In der Region gibt es tatsächlich eine sehr hohe tektonische Aktivität. Es wäre also denkbar, dass die Insel Bermeja im 18. oder 19. Jahrhundert existierte und dann untergegangen ist. Vielleicht führte die geringe Präzision früherer Kartografen zu einer falschen Verortung der Insel. Sollte dies der Fall sein, hätte man aber große Erhebungen unter der Meeresoberfläche finden müssen.

Erwähnt wurde diese Insel erstmals von Alonso de Santa Cruz auf einer 1539 in Madrid erschienenen Liste der Inseln der Region. Ihre genaue Lage wurde dann von Alonso de Chaves in dem Buch Espejo de navegantes angegeben, der dort auch ausführte, die Insel erscheine in der Ferne „hell und rötlich“, auf spanisch „bermeja“, worauf die Insel ihren Namen erhielt.

Doch was hat diese Phantominsel mit der kryptozoologischen Thematik zu tun? Zumindest auf den ersten Blick recht wenig, jedoch gibt es gerade im Bereich der Dracontologie und Mythologischen Kryptozoologie etliche Berichte von geradezu gigantischen Walen und Fischen, die für Inseln gehalten wurden. So finden sich in alten Schriften erstaunliche Umschreibungen und selbst in alter Mythologie sind solche Wesen, die man bis zum Verschwinden als Insel gehalten hatte, weit verbreitet.

Besonders im mittelalterlichen Europa gibt es viele solcher Geschichten, wobei die Sage der Insel des Heiligen Brandanus aus dem 6. Jahrhundert, die aus der irischen Mythologie hervorgeht, die wohl bekannteste ist. Nicht zuletzt wegen der wunderschönen Darstellungen dieser Begebenheiten nach Honorius Philoponus aus dem Jahre 1621.

Insel des Brandanus
Insel des Heiligen Brandanus
Darstellung nach Honorius Philoponus, 1621

Interessant ist es deshalb für die Kryptozoologie, da nur eine Sichtung der Insel Bermeja aus der Ferne angegeben wurde. Möglicherweise handelte es sich gar nicht um eine Insel, sondern möglicherweise um ein großes Meereswesen, das auf der Wasseroberfläche trieb. Möglicherweise um eine Gruppe Wale. Jedoch lässt die Aussage „hell und rötlich aus der Ferne“ noch einen anderen Schluss zu. Farblich passt diese Farbe zu Kalmaren. Haben die ehemaligen Seefahrer eine große Gruppe von Kalmaren gesehen? Oder gar einen großen Riesenkalmar (Architeuthis), der als Einzeltier oder mit mehreren Exemplaren an der Oberfläche trieb?

Auf jeden Fall eine faszinierende Geschichte.

 

 
Quelle: Der Fährtenleser 7, S. 24 – 25

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