Die Geschichte beginnt in der damaligen Tschechoslowakei Anfang der 1980er Jahre, wo der Notarzt Dr. Marek gemeinsam mit seiner Rettungsassistentin Mima zu einem ungewöhnlichen Notfall gerufen wird. Eine Rennfahrerin hat während einer Testfahrt mit einem spektakulären neuen Sportwagen der Firma Ferat plötzlich starke körperliche Beschwerden erlitten. Die Frau wirkt erschöpft, geschwächt und leidet offenbar unter einem rapiden Kräfteverlust. Zunächst vermutet niemand einen Zusammenhang zwischen ihrem Gesundheitszustand und dem Fahrzeug. Doch schon bald häufen sich seltsame Vorfälle. Immer mehr Menschen, die mit dem neuartigen Ferat-Sportwagen in Berührung kommen, zeigen ähnliche Symptome. Während andere die Erscheinungen als Zufall oder medizinische Ausnahmefälle betrachten, beginnt Dr. Marek an der offiziellen Darstellung zu zweifeln.
Seine Nachforschungen führen ihn immer tiefer in die geheimnisvolle Welt der Firma Ferat. Das Unternehmen präsentiert sein Fahrzeug als revolutionären technologischen Fortschritt. Der schwarze Sportwagen wirkt futuristisch, elegant und nahezu unwiderstehlich. Besonders Fahrer und Motorsportbegeisterte sind von seiner Leistung fasziniert. Gleichzeitig scheint die Firma ungewöhnlich wenig Interesse daran zu haben, kritische Fragen zu beantworten.
Als Mima selbst zunehmend in die Angelegenheit verwickelt wird, wachsen die Sorgen ihres Kollegen. Die junge Frau beginnt für Ferat Rennen zu fahren und fühlt sich immer stärker von dem Fahrzeug angezogen. Je enger ihre Bindung an den Wagen wird, desto schlechter entwickelt sich jedoch ihr Gesundheitszustand.
Im Verlauf seiner Untersuchungen entdeckt Dr. Marek schließlich die unglaubliche Wahrheit. Der Ferat-Wagen wird nicht mit herkömmlichem Treibstoff betrieben. Statt Benzin nutzt das Fahrzeug menschliches Blut als Energiequelle. Über einen raffiniert konstruierten Mechanismus entzieht das Auto seinen Fahrern unbemerkt Blut und wandelt es in Antriebskraft um. Der Fahrer wird somit im wahrsten Sinne des Wortes zum Treibstoff des Fahrzeugs.
Damit verwandelt sich das Automobil in einen modernen Vampir. Es tötet seine Opfer nicht durch Gewalt, sondern durch schleichendes Aussaugen ihrer Lebenskraft. Diese Enthüllung führt zu einer immer bedrohlicheren Entwicklung, da Dr. Marek versucht, die Machenschaften von Ferat aufzudecken und weitere Opfer zu retten. Dabei stößt er auf Widerstände, Unglauben und Personen, die offenbar ein großes Interesse daran haben, das Geheimnis des Wagens zu bewahren.
Juraj Herz und das fantastische Kino der Tschechoslowakei
Regisseur Juraj Herz gehört zu den außergewöhnlichen Filmemachern des tschechoslowakischen Kinos. International wurde er vor allem durch seinen makabren Klassiker „Der Leichenverbrenner“ (1969) bekannt. In seinen Filmen verband Herz häufig schwarzen Humor, Surrealismus und Horror mit gesellschaftlichen Untertönen. Auch „Der Autovampir“ folgt dieser Tradition. Obwohl der Film eine fantastische Handlung besitzt, behandelt er zugleich sehr reale Themen: Technikgläubigkeit, Konsumverhalten und die beinahe religiöse Verehrung des Automobils. Der Film selbst basiert auf der Erzählung „Vampir Ltd.“ des bekannten tschechischen Science-Fiction-Autors Josef Nesvadba. Die literarische Vorlage bot Herz eine ideale Grundlage, um Horror und Satire miteinander zu verbinden.
Der Star des Films: Der Škoda-Prototyp
Für den Film wurde ein spektakulärer Prototyp auf Basis des Škoda 110 Super Sport (Typ 724) eingesetzt. Das flache, futuristische Design mit seinen kantigen Linien, schwarzen Lackflächen und der markanten Cockpit-Kanzel verleiht dem Fahrzeug bis heute einen unverwechselbaren Look. Anders als viele Filmfahrzeuge wurde der Ferat Vampir nicht eigens als Requisite gebaut. Er basierte auf einem realen Konzeptfahrzeug des tschechoslowakischen Automobilherstellers Škoda. Durch die Modifikationen für den Film entstand eines der ungewöhnlichsten Filmautos der europäischen Kinogeschichte. Für viele Zuschauer dürfte der Wagen sogar die eigentliche Hauptfigur des Films sein. Seine Erscheinung wirkt noch heute erstaunlich futuristisch und vermittelt genau jene Mischung aus technischer Faszination und unterschwelliger Bedrohung, die der Film vermitteln möchte.
Für deutsche Zuschauer war die Ausstrahlung am 15. März 1985 im ZDF der erste Kontakt mit diesem ungewöhnlichen Werk. Der Film wurde unter dem Titel „Der Autovampir“ gezeigt und profitierte von der großen Popularität der Sendereihe Der phantastische Film.
Besonders interessant ist die symbolische Ebene des Films. Der Vampir ist hier kein adliger Blutsauger wie Dracula, sondern eine hochentwickelte Maschine. Der Wagen steht für eine Gesellschaft, die von Technik, Geschwindigkeit und Konsum fasziniert ist. Der Mensch opfert seine Gesundheit und letztlich sein Leben für ein Objekt, das ihm Fortschritt und Prestige verspricht.

Filmdaten
- Deutscher Titel: Der Autovampir
- Alternativer deutscher TV-Titel: Der Vampir aus dem Ferat
- Originaltitel: Upír z Feratu
- Internationaler Titel: Ferat Vampire
- Land und Produktionsjahr: Tschechoslowakei (CSSR), 1981
- Produktionsstudio: Barrandov Filmstudios
- Regie: Juraj Herz
- Drehbuch: Juraj Herz, Jan Fleischer
- Literarische Vorlage: Josef Nesvadba („Vampir Ltd.“)
- Kamera: Richard Valenta
- Musik: Petr Hapka
- Schnitt: Jaromír Janáček
Darsteller
- Jiří Menzel als Dr. Marek
- Dagmar Veškrnová als Mima
- Petr Čepek als Kriz
- Jan Schmid als Dr. Kaplan
- Jana Březková als Luisa/Klára Tomášová
- Zdenka Procházková als Madame Ferat

