Storsjöodjuret – Das Monster vom Storsjö-See

Seeungeheuer

Kryptozoologie

Rund 1.200 km vom schottischen Loch Ness entfernt liegt der idyllische Storsjö-See. Der fünftgrößte, aber tiefste See Schwedens. Der rund 450 Kilometer von Stockholm gelegene See ist nur einer von rund 90.000 in Schweden und liegt in der Nähe von Östersund/Jämtland und beheimatet eine große Vielfalt von Fischen. Aber auch wenn er nur einer von 90.000 Seen ist, beherbergt er dennoch ein großes Geheimnis. In diesem See wurde das sogenannte Storsjöodjuret oder auch nur Storsjöungeheuer genannte Wesen gesichtet.

Die Beschreibungen des Wesens ähneln sich in den Augenzeugenberichten: Langer, schlangenähnlicher Körper mit Höckern, hundeartiger runder Kopf, kurze Stummelbeine oder Stummelfüße, kleine Ohren, die wie Segel abstehen aber auch an den Hals angelegt werden können. Die Längenangaben hingegen variieren zwischen 3,5 und 14 Metern. Die Breite des Monsters soll dagegen nur zwischen einem und 1,25 Metern betragen.

Seeschlange

Zeugen, die das Tier angeblich aus der Nähe sehen konnten, beschreiben das Ungeheuer als ca. drei Meter lang, mit kurzem gedrungenem Körper und mit dicken Füßen, sowie einem großen Kopf mit runden Augen. Die Beschreibung der Haut variiert allerdings extrem. Sie wird als glatt, schleimig, glänzend und manchmal auch schuppig beschrieben. Auch bei der Färbung des Storsjöodjuret gibt es unterschiedliche Angaben: grau, grau mit schwarzen Flecken, rot mit dunkelroten Längsstreifen, rotgrau und dunkelgrün wurden beschrieben.

Die Geschwindigkeit des Wesens wurde noch nie gemessen, aber die Augenzeugen berichten fast übereinstimmend von schnellen bis pfeilschnellen Bewegungen. Bei der Lautäußerungen des Wesens jedoch gibt es wieder verschiedene Aussagen. Diese werden als zischend, klappernd und heulend beschrieben.

Man vermutet, dass sich das Monster vom Storsjö hauptsächlich von Fisch ernährt, denn sämtliche Versuche das Tier mit Schweine- oder Kalbfleisch zu ködern blieben ohne jeglichen Erfolg. Allerdings gibt es viele Berichte, in denen zerfetzte und geplünderte Fischernetze beschrieben werden. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich das Ungeheuer auch gerne einmal bequemer an den Fängen der Fischer vergreift, um nicht selbst jagen zu müssen. Leider sind für diese kaputten Netze keine eindeutigen Beweise vorhanden. Verblüffend ist allerdings die Tatsache, dass dieses Tier scheinbar auch Knollenfrüchten nicht abgeneigt ist. Ein Kartoffelacker in der Nähe eines Bootshauses am Storsjö wurde regelrecht umgewühlt und die Kartoffeln waren verschwunden. Im Gras fanden sich noch Schleifspuren sowie Reste von Schleim und Erde.

Die erste offizielle Aufzeichnung gibt es von 1635 durch Pfarrer Mogens Pedersen aus Herdal. Er hatte eine Legende von zwei Trollen immer wieder erzählt bekommen und schrieb sie eines Tages nieder. Diese Legende handelte von zwei Trollen, die am Ufer des Sees Wasser in einem Kessel kochten. Viele Jahre taten diese das, aber plötzlich ertönte ein Stöhnen und Jammern aus dem Kessel und sie vernahmen einen lauten Knall: „Ein seltsames Tier mit schwarzem, schlangenähnlichem Körper und Katzenkopf sprang aus dem Kessel und verschwand in der Tiefe. Das Ungeheuer fühlte sich im See wohl; es wurde riesengroß und verbreitete Angst und Schrecken unter den Menschen, wenn es sich zeigte. Schließlich war es so groß, dass es sich einmal um die Insel Frösön schlingen und selbst in den Schwanz beißen konnte.“

Zählt man die Berichte zusammen, ist das Storsjö-Monster das zweithäufigst gesichtete Seemonster Europas, nach Nessie aus Schottland.

Im 19. Jahrhundert hatte dieses Wesen schon eine lokale Berühmtheit erlangt und wurde sehr häufig gesichtet. 1820 z.B. behauptete ein Bauer, er wurde am südlichen Ende des Sees kurze Zeit von Storsjöodjuret verfolgt. Aber erst als der Östersund an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, ging die Geschichte in Schweden durch die Medien. Es wurde bekannt, dass schon sehr viele Menschen dieses Wesen gesehen hatten, es aber für eine Sinnestäuschung hielten. Erst durch die Erzählungen der Einheimischen brachten die Fremden es über sich, über ihre Begegnungen zu erzählen, ohne gleich in ganz Schweden als Schwindler oder Lügner bezeichnet zu werden.

Ab dem Jahre 1890 gab es zahlreiche Augenzeugenberichte, die das Wesen vom Ufer aus beobachtet haben wollten, ohne das Schaden entstanden wäre oder jemand verletzt wurde. Dennoch wollte man dem Ungeheuer endlich an die Schuppen gehen. 1894 schloss sich eine Gruppe zu einer Gesellschaft zusammen. Der Zweck der Gesellschaft bestand darin, das Monster endlich zu finden und zu fangen. Die Mitglieder dieser Interessengemeinschaft waren Kapitän A. Dedring, O. Dahlin (Kaufmann), A. Lindelius (Bankkassierer), Maria Helio (Besitzerin eines Vergnügungsparks) und Vilhelm Sköld (Kassierer). An diesem aussichtslosen Unterfangen soll sich laut Gerüchten sogar der damalige König von Schweden und Norwegen Oskar II. mit einer nicht unerheblichen Summe Geldes beteiligt haben. Sofort nach der Gründung der Gesellschaft wurde im Sommer 1894 nördlich der Brücke zur Insel Frösön an einem Abwasserkanal ein Anleger gebaut, an dessen äußerem Ende wurde ein Holzunterstand errichtet. Der beauftragte norwegische Harpunier wurde dort eingenistet und sollte das Monster mit Hilfe von elektrischem Licht anlocken. Zudem wurde ein riesiges Fangeisen ausgelegt, das zu dieser Zeit auch für Füchse, Hasen und andere Kleintierarten im Einsatz war. Natürlich war diese Falle entsprechend vergrößert und als Köder diente ein komplettes Schwein. Das Fangeisen war in einer Tonne unter dem Anleger angebracht, sollte als Resonanzkörper dienen und so den Walfänger alarmieren, sollte etwas in die Falle gehen. Desweiteren verteilte man an verschiedenen Orten, an denen sich das Ungeheuer häufig zeigte, Standhaken mit Ködern, diese waren transportabel und man konnte so schnell und unkompliziert den Standort wechseln. Aber wie voraussehbar, konnte man ein Jahr lang kein Monster oder auch nur eine Schuppe von diesem Monster finden und die Geldgeber zogen entnervt das Geld aus diesem Unternehmen zurück – die Jagd war vorbei. Allerdings kann man heute keine Unterlagen dieser Gesellschaft mehr ausfindig machen. Hat es diese Gesellschaft wirklich gegeben, oder ist auch dies nur eine Legende um den Storsjöodjuret?

Es gab auch verzweifelte Versuche von Einzelpersonen, das Ungeheuer zu fangen. Eine sehr wohlhabende Frau aus Östersund ließ z.B. im Winter Löcher ins Eis schlagen, um mit Hilfe von Laternenlicht auch hier das Storsjöodjuret anzulocken, allerdings wieder ohne Erfolg.

Das Storsjöodjuret wurde im Gegensatz zu Nessie schon zu jeder Jahreszeit gesichtet. Es gibt Berichte von Augenzeugen, die einen glatten, runden Kopf gesehen haben wollten, der durch die Eisdecke des Sees brach. Anfang 1900 flaute die Jagdleidenschaft nach dem Ungeheuer im Storsjö-See langsam aber stetig ab.

1976 berichtete die schwedische Zeitung Expressen von einer Begegnung zwischen dem Monster und dem zu dieser Zeit am See Urlaub machenden Rolf Larsson und Irene Magnussen. Das Pärchen war mit einem Motorboot auf dem See angeln, als das Boot plötzlich zu schaukeln begann. Die beiden Angler konnten beobachten, wie sich etwas sanft und ohne große Wellen zu verursachen unter der Wasseroberfläche bewegte. Sachte und ohne jegliches Geplätscher hob sich das Etwas aus dem Wasser. Zuerst dachten sie, ein umgekipptes Boot vor sich zu haben. Nur wie konnte ein gekentertes Boot so sanft und ohne ersichtlichen Grund wieder nach oben kommen? Als das vermeintliche Boot dann auch noch begann das Motorboot des Paares zu umkreisen, war die Verwirrung, aber auch die Angst vor dem was im Wasser herumschwamm, nur noch größer. Nachdem der erste Schock überwunden war, schrie Frau Magnussen ihren Freund an, er solle augenblicklich zum Ufer des Sees zurückfahren. Larsson beschrieb seine Freundin in diesem Augenblick als kreidebleich, zitternd und scheinbar unter Schock stehend. Aber auch als sich das Boot in Richtung Ufer in Bewegung setzte, wurde es von dem Wesen verfolgt. Das Motorboot hatte eine Geschwindigkeit von etwa einem Knoten (rund 1,8 km/h), aber dennoch konnten sie das Monster nicht abhängen. Am Ufer angekommen, verließen sie sofort das kleine Motorboot und betraten vermeintlich sicheres Land. Noch vollkommen fasziniert, beobachtete Larsson das Wesen weiter. Laut seinen Aussagen konnte er das Kielwasser des Monsters noch ca. 5 – 6 Minuten lang verfolgen.

Natürlich gibt es zum Storsjöodjuret verschiedene Theorien, was hinter dem geheimnisvollen Ungeheuer stecken könnte.

  1. Durch Verwerfungslinien am Seeboden steigen Gasblasen an die Oberfläche.
    Gegentheorie: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man eine Gasblase über lange Zeit hinweg mit dem Auge verfolgen kann. So lassen sich vielleicht einige wenige Sichtungen erklären.
  2. Schwimmende Elche, die ihre Nase über Wasser halten.
    Gegentheorie: Elche könnten niemals die Geschwindigkeit erreichen, die für das Ungeheuer von Augenzeugen berichtet wird.
  3. Wärmelöcher durch Temperaturinversion, diese könnten eine optische Täuschung auslösen und einen Ast auf den Umfang eines Tieres vergrößern.
    Gegentheorie: Erklärt wiederum nicht die schnelle Schwimmweise des Monsters.
  4. Große Welse
    Gegentheorie: In diesem Gebiet wurden noch niemals Welse gefangen. Auch verhalten sich Welse anders als das Ungeheuer vom Storsjö.

Die interessanteste Theorie spricht von einer unbekannten Seehundart, bzw. einer ausgestorben geglaubten Meeressaurierart im Storsjö-See. Leider kann man nichts beweisen, was diese Theorie untermauern würde.

In Bezug auf die 1894 gegründete Gesellschaft soll es eine ganz und gar unspektakuläre Auflösung geben. Aksel Lindström gab am 21.01.1957 die Erzählung des Handwerkers P.G. Ludgvist weiter. Dieser hatte als Kind gehört, wie der Zeitungsredakteur J.L. Saxon zugegeben hatte, dass die ganze Hysterie um das Monster um 1890 herum ein großangelegter Betrug war. Presse, Geschäftsleute und Politiker sollen laut dieser Angabe unter einer Decke gesteckt haben. Man wollte die brachliegende Wirtschaft wieder ankurbeln und erfand eben das Monster. Doch diese Leute hatten nicht mit der gewaltigen Lawine gerechnet, die sie losgetreten hatten. Der Promotion-Gag soll laut Lindström aus dem Ruder gelaufen sein, denn zu viele Menschen wollten das Monster sehen, jagen oder gar erlegen. Die angebliche Auflösung um das Monster erweckte aber dennoch erbitterten Widerstand in der Bevölkerung, der Bericht von 1957 wurde entschieden zurückgewiesen, man wollte das Monster des Sees nicht verlieren.

Bis in die heutige Zeit werden immer wieder Zeugenaussagen dokumentiert. Mittlerweile sind es über 200 Aussagen von mehr als 500 Personen. Desweiteren gibt es zahlreiche mündliche Aussagen von Menschen, die eine Sichtung gemacht haben wollen. Allerdings sollte man hier die Dunkelziffer der Augenzeugenberichte nicht vergessen. Viele Menschen schämen sich, über solche Ereignisse zu reden, denn sie haben Angst als verrückt hingestellt zu werden. Aber sieht man sich die Zahl der dokumentierten und mündlichen Aussagen an, kommt man zu dem Schluss, irgend etwas muss in dem See sein. Können sich so viele Menschen irren?

Am 18.06.1895 wurde ein sonderbarer Fund am Seeufer des Storsjö gemacht. Man kann diesen Fund keiner bis heute bekannten oder lebenden Tierart zuordnen. Im neuen Provinzmuseum von Jämtland in Östersund kann man heute den Glasbehälter bestaunen. Er enthält angeblich einen Embryo des Ungeheuers vom Storsjö. Man sollte allerdings mit diesem angeblichen Fund sehr große Vorsicht walten lassen, denn er wurde am 1. April 1985 das erste Mal präsentiert.

Fakt ist allerdings, dass die Jagd auf das Ungeheuer, genauso wie die Jagd auf Nessie, verboten wurde. Im Jahre 1986 wurde das Storsjöodjuret offiziell von der jämtländischen Provinzverwaltung unter Naturschutz gestellt.

Nur was steckt nun hinter diesem Seeungeheuer? Eine gut geplante PR-Aktion, ein überlebender Dinosaurier oder ein Fisch? Man wird wohl abwarten müssen, bis ein endgültiger Beweis vorliegt. Auch Nessie oder Champ konnte man bis heute noch nicht beweisen. Dieses Ungeheuer wird wohl auch weiter Kryptozoologen und Hobbyforscher beschäftigen.

Autorin: Martina Lohr
Der Beitrag ist eine gekürzte Fassung des Artikels im Magazin Der Fährtenleser, Ausgabe 5 (2009)

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