Verborgen im Wald

BigfootEine Frage, die mich schon immer brennend interessierte, war jene, weshalb es so schwer ist den amerikanischen Bigfoot oder Sasquatch in seinem vermutlichen Lebensraum zu beobachten. Dieser Frage konnte ich bei einem unserer Kryptozoologie-Stammtische nachgehen, als ich hierüber mit Herrn Michael Schneider ins Gespräch kam. Was folgte war eine angeregte Diskussion zu diesem Punkt. Über die Erkenntnisse aus dem Gespräch und unserer kleinen Versuchsreihe am folgenden Wochenende möchte ich hier berichten.

Der Bigfoot soll nach Beschreibungen ein menschenähnlicher Riesenaffe sein, mit einer geschätzten Größe zwischen zwei und drei Metern, einem Gewicht zwischen 200 und 300 Kilogramm und einer starken Körperbehaarung. Das Wesen ist nachtaktiv und verfügt laut Augenzeugenberichten und vorhandenen Tonaufnahmen über ein breites Spektrum an Tönen und Rufen. Seine normalen Geräusche sollen wie Babygeschrei, teilweise sogar wie das Weinen einer Frau klingen. Ist dieses Wesen erregt, gibt es einen unheimlichen Warnschrei von sich, den man nur sehr schwer beschreiben kann. Der Lebensraum dieser Wesen sind die dichten Wälder im Pazifischen Nordwesten der USA und Kanadas, aber auch die dichten Bergwälder entlang der Ostküste der USA und in Zentralkanada. Also Gebiete, in denen kaum Menschen leben und die dermaßen Groß sind, dass man tagelang darin umherwandern könnte, ohne auf einen Weg oder eine Straße zu stoßen. Noch geringer ist die Wahrscheinlichkeit abseits der Hiking-Trails, also der Wanderwege, auf andere Menschen zu stoßen. Selbst auf den Wander-wegen ist man oftmals mehrere Stunden unterwegs, bis man auf den nächsten Menschen trifft. Genau betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit dort auf ein scheues Wesen wie den Bigfoot zu treffen, die zudem bedingt durch den Nahrungsbedarf in eher kleinen Populationen vorkommen, verschwindend gering.

Beachtet man nun noch, das nach den Beschreibungen diese Wesen ohnehin eher nachtaktiv sind, wird die Wahrscheinlichkeit einen Bigfoot in seinem natürlichen Lebensraum zu finden immer geringer. Das was bleibt sind Zufallsbegegnungen an Wanderwegen und Straßen, also ziemlich genau dies, was die typischen Begegnungen mit einem dieser Wesen ausmacht.

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einem dichten Wald, dazu noch in der Dunkelheit. Sie haben zwar eine Taschenlampe dabei, hören im Unterholz ein Geräusch und suchen mit dem Lichtkegel nach der Ursache. Sie werden schon recht bald feststellen, dass dieses Unterfangen schwieriger ist als gedacht. Zwar können Sie im nahen Bereich den Boden recht gut ausleuchten um Hindernisse zu erkennen, aber im Wald bricht sich das Licht im Unterholz an Büschen, Ästen, Farnen und Bäumen. Schon nach wenigen Metern ist nur noch ein Bruchteil zu erkennen, dafür aber ein unheimliches Schattenspiel vorhanden, in dem Konturen verschwimmen und verschwinden. Dies können Sie ganz einfach jederzeit selbst ausprobieren. Selbst starke Autoscheinwerfer dringen hier nur unwesentlich weiter. Dies können Sie auch jederzeit feststellen, wenn Sie z.B. mit dem Auto in der Nacht durch einen Wald fahren. Wie weit nehmen Sie Details im Wald dabei wahr? Schon nach wenigen Metern verschwindet dabei der Wahrnehmungskreis merklich.

Dies war insoweit das Ergebnis unserer angeregten Diskussion. Doch wollten wir auch einen experimentellen Nachweis erstellen, den wir auf Video entsprechend dokumentiert haben. Hierzu trug ich schwarze Kleidung und eine schwarze Mütze. Mein Gesicht wurde zur Authentizität ebenfalls geschwärzt. Der nächste Schritt bestand nun darin, dass ich mich einfach ein wenig in einem Waldstück verborgen hielt, während die anderen Teilnehmer versuchten mich von einem Waldweg aus zu entdecken. Das Experiment wurde in der Dunkelheit ausgeführt und wir arbeiteten mit Halogen-Taschenlampen, die ein helles Licht erzeugen. Während des Experiments befand ich mich in einem Abstand zwischen 5 und 15 Metern vom Weg entfernt, wobei ich mich im Schutze der Bäume langsam voranbewegte. Trotz der hellen Taschenlampen und der intensiven Bemühung mich zu entdecken, dauerte es 35 Minuten, bis ich eher durch Zufall gesehen wurde.

Um den Grad einer möglichst zufälligen Sichtung besser zu simulieren, haben wir einen Gegenversuch unter verschärften Testbedingungen ausgeführt. Diesmal haben wir uns als Location den großen Park (Volkspark Niddatal) mit viel Baumbestand am Stadtrand von Bockenheim in Frankfurt am Main ausgesucht, da dieser Ort auch während der Abendstunden noch Zugang hat und von Spaziergängern, Joggern und Radfahrern genutzt wird. Nach der Dämmerung begab ich mich in Position hinter einigen Bäumen, während meine beiden Beobachter diesmal meinen Standort kannten und statt dessen die Reaktionen der Passanten von einem nahegelegenen Beobachtungspunkt aus überwachten. Während der ersten halben Stunde stand ich einfach zwischen den Bäumen und Sträuchern leicht verborgen, ohne dass mich einer der 18 vorbeikommenden Passanten entdeckt hätte. Also beschlossen wir, dass ich während der kommenden halben Stunde langsam zwischen den Bäumen und Sträuchern umherschlich. In dieser Zeit kamen nochmals 13 Passanten den Weg entlang, von denen ich ebenfalls nicht wahrgenommen wurde. Lediglich ein Hund bemerkte mich, blieb kurz stehen, blickte mich an und folgte dann wieder seinem Herrn, ohne dass dieser mich gesehen zu haben schien. Da der Abend nunmehr voranschritt und wir nicht unnötig Aufmerksamkeit erregen wollten, beendeten wir nun diesen Versuch.

Als Fazit bleibt somit festzuhalten, dass es schon in einem lichten Waldgebiet hier in Deutschland schwer ist eine entsprechende Beobachtung zu machen. Was auch immer sich in den dichten Wäldern Nordamerikas vor dem Menschen verbirgt, es ist schwer zu entdecken.

 

 

Der Artikel ist ursprünglich im Magazin Der Fährtenleser, Ausgabe 9 im Jahr 2010 erschienen.

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