Kann sich der menschliche Körper selbst entzünden?

Ein Phänomen, das Gelehrte und Mediziner seit Jahrhunderten immer wieder vor ein gewaltiges Rätsel stellt, ist die Frage, ob sich der menschliche Körper spontan selbst entzünden kann, oder wie es möglich sein kann, dass manche Menschen zu verbrennen scheinen, obwohl es keine ersichtliche Brandquelle oder große Brandschäden gibt. Selbst heute noch stellt uns die sogenannte Spontane menschliche Selbstentzündung, oder kurz SHC (abgeleitet aus der englischen Bezeichnung Spontaneus Human Combustion), vor das Problem, dies auch nur ansatzweise erklären zu können, da sich dies nicht unter kontrollierbaren Bedingungen replizieren lässt, zumal der menschliche Körper an sich schwer brennbar ist und es hohe Temperaturen benötigt, um diesen zu verbrennen. Dennoch gibt es einige ungeklärte Todesfälle, die uns genau vor diese Frage stellen.

Vor allem in der Rechtsmedizin ein recht umstrittenes Thema, da man zwar das Verbrennen als Todesursache benennen, aber nicht die Brandquelle feststellen kann. Somit ein Kuriosum, das eine rechtliche Bewertung bei Todesfällen sehr erschwert.

Spontane Selbstentzündung

Einer der ersten dokumentierten Fälle, in denen SHC eine entscheidende Rolle in einem Gerichtsprozess spielte, war der Mordprozess um den französischen Schankwirt Jean Millet, der im Jahr 1725 in Paris wegen Mordes an seiner Ehefrau vor Gericht stand. Ihm wurde vorgeworfen, seine Frau verbrannt zu haben, so dass er als Mörder verurteilt und hingerichtet werden würde. Der Körper der Frau war bis auf wenige Teile völlig verbrannt. Gegenstände, die sich in unmittelbarer Nähe befunden hatten, waren durch das Feuer jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, bis auf den Fußboden, auf dem die Frau verbrannte, der vollständig verkohlt war. Ein Glück für den Schankwirt war die Tatsache, dass seine Frau eine bekannte Trinkerin war. Zum Prozess wurde ein Arzt hinzugezogen, der feststellte, dass das Innere des Körpers vollständig mit Alkohol durchtränkt wäre und somit brennbar gewesen sein muss. Darum auch die Selbstentzündung mit Todesfolge. Der Schankwirt Millet wurde nach dieser Einschätzung freigesprochen.

Schon seit dem Mittelalter galt der Alkoholkonsum als wahrscheinlichste Ursache für solche Fälle. Eine Geschichte aus dieser Zeit handelt vom Ritter Polonus Vorstius, der 1470 in Mailand nach exzessivem Alkoholkonsum in Flammen aufgegangen sein soll.

Überreste von Dr. John Irving Bentley
Die sterblichen Überreste von Dr. John Irving Bentley, 1966

Eine Erklärung die auch noch im Jahr 1888 für den Tod eines alten Trinkers in Schottland herangezogen wurde, obwohl man den Fall damals kritischer betrachtete.

Wie wir heute wissen, sind solche Vermutungen chemisch und physikalisch kaum haltbar, dass Alkohol dermaßen als Brandbeschleuniger im Körper hätte dienen können, um diesen zu entzünden und gänzlich zu verbrennen. Zwar mag Alkohol auf der Kleidung eine gewisse Rolle gespielt haben, dieser müsste dann aber extrem hochprozentig gewesen sein, um überhaupt zu brennen. Zudem bringen die von Alkoholflammen erzeugten Temperaturen nicht die nötige Temperatur auf, um einen Körper gänzlich zu verbrennen. Mit einer Zündtemperatur von Alkohol von etwa 425°C entzündet dieser sich ohne zusätzliche Zündquelle zudem nicht von selbst.

Das Kernproblem für die genaue Bewertung der Todesursache besteht darin, exakt festzustellen, wie sich der Körper entzünden und stark verbrennen konnte. Vor allem, da die Körper bei einer SHC meist sehr stark verbrannt sind. Menschen verbrennen hierbei zu einem Häuflein weiß-grauer kalzinierter Asche, was auf sehr hohe Temperaturen schließen lässt.

Ein Körper besteht zu 75 – 80 Prozent aus Wasser, je nach körperlichen Gegebenheiten. Um einen menschlichen Körper zu verbrennen, muss dieser rund zwei Stunden lang auf eine Temperatur von mindestens 870°C erhitzt werden, bevor sich dieser entzündet. In Krematorien werden daher wesentlich höhere Temperaturen zur Leichenverbrennung genutzt, um den Vorgang zu beschleunigen.

Kennzeichnend für eine spontane Selbstentzündung sind aber auch die anderen Besonderheiten dieser Fälle. Wenn ein Mensch in einem Feuer umkommt, müssen die Temperaturen durch diverse Brandbeschleuniger so erhöht sein, um einen Körper in dem Maße zu verbrennen, wie es die Opfer von SHC zu sein scheinen. Selbst nach stundenlangen Zimmerbränden ist immer noch ein verkohlter Körper vorhanden, da hier selten dermaßen hohe Temperaturen erreicht werden. Bei diesem Phänomen der SHC ist der Körper jedoch meist vollständig verbrannt, sogar die inneren Organe, ohne etwas in seiner Nähe in Mitleidenschaft zu ziehen. Oftmals bleiben nur Gliedmaßen zurück, die nicht in Flammen aufgegangen zu sein scheinen. Bei solch extrem hohen Temperaturen allerdings müsste sich der gesamte Raum in ein Inferno verwandeln, es entsteht jedoch nur ein sehr eng begrenztes Feuer, das sich nur auf die unmittelbare Umgebung des Betroffenen bezieht. Im Raum befindliche Gegenstände, sogar oft der Sessel, auf dem das Opfer saß, bleiben von den Flammen unberührt. Es wurden schon Papierstapel in 30 cm Entfernung zum Opfer gefunden, die nicht entflammt wurden, obwohl Papier einen sehr niedrigen Flammpunkt ab 180°C besitzt und leicht entzündlich ist.

Zumindest lässt sich dieser Effekt ansatzweise mit einem Kamineffekt erklären. Wenn die Flamme recht lokal auf einem kleinen Punkt am Körper brennt, steigt die Hitze als Luftstrom nach oben, weshalb umliegende Gegenstände von direkter Hitzeeinwirkung bis zum Zündpunkt verschont bleiben können. Die Hitze wirkt sich von daher nur auf betroffenen Untergrund und die darüber liegende Decke aus, sofern entsprechende Temperaturen diese erreichen.

Als mögliche Haupterklärung für die Verbrennungen wird vor allem ein Dochteffekt benannt, bei dem das Körperfett sich entzündet, z.B. an brennender Kleidung, und dann zu einem heißen Schwelbrand ausartet. Theoretisch möglich, konnte jedoch in diversen Laborversuchen mit Schweinehaut und toten Schweinekörpern nicht belegt werden.

Andere Theorien gehen von einer möglichen Selbstentzündung mit Selbstverbrennung aufgrund chemischer Reaktionen im Körper aus. Fakt ist, dass wir im menschlichen Körper z.B. Magnesium und Natrium finden, Substanzen, die unter den richtigen Bedingungen heiß verbrennen. Allerdings sind die Konzentrationen im Körper so gering, dass dies eigentlich nicht geschehen kann. Theoretisch können diese aber unter bestimmten Bedingungen chemische Reaktionen auslösen. Die Frage stellt sich daher, ob dies möglich ist, dass es im menschlichen Körper zu solchen Konzentrationen kommen kann. Natrium kann z.B. bei ausreichender Sättigung mit dem körpereigenen Wasser reagieren und somit als Zündquelle dienen.

Und man sollte beachten, das man in vielen Fällen externe Zündquellen nicht ausschließen kann, sich der Körper also nicht selbst entzündet, sondern z.B. durch brennende Kleidung entzündet wird. Es könnte schon die Glut einer Zigarette reichen, die die Kleidung in Brand setzt und somit eine Kettenreaktion auslöst, deren genaue Vorgänge wir aber immer noch nicht verstehen.

Auf jeden Fall bleibt das Thema auch weiterhin rätselhaft und wirft mit jedem neuen Fall weitere Fragen auf.

Quellen
Martina Lohr: Spontane Selbstentzündung, Der einsame Schütze, 2000
J. E. Heymer: The Entracing Flame, London 1996, Little, Brown & Co.
Jonas Dupont: Dissertatio inauguralis de Incendiis Corporis Humani Spontaneis, 1763 in Leiden

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