Tod eines alten Trinkers

In der schottischen Stadt Aberdeen ereignete sich am 19. Februar des Jahres 1888 ein schauerlicher Vorfall, der einen Arzt vor ein großes Rätsel stellte. Ein Fall, der auch heute noch als Beispiel einer Spontanen Selbstentzündung gilt.

Der Arzt Dr. J. Mackenzie Booth, Dozent an der ehrwürdigen Universität von Aberdeen in Schottland, erhielt am 19. Februar des Jahres 1888 eine Mitteilung, dass in der Constitution Road in Aberdeen auf einem Heuboden ein verkohlter Leichnam aufgefunden wurde. Mit dieser Mitteilung wurde zugleich die Bitte an ihn herangetragen, sich dieser Angelegenheit persönlich anzunehmen, worauf er sich in die Constitution Road begab, um den Leichnam zu untersuchen.

Am Ort des Geschehens angekommen, nahm er den grausigen Fund in Augenschein. Bei dem Leichnam handelte es sich um die verkohlten Überreste eines etwa fünfundsechzig Jahre alten Mannes namens Alexander Morrison. Fast das gesamte Muskelgewebe war verbrannt, man konnte die ausgeglühten Knochen darunter ausmachen. Der Boden unter dem Leichnam war soweit weggebrannt, so dass die Leiche nur noch auf einem verkohlten Balken ruhte. Auch einige Dachlatten direkt über dem Leichnam hatten wohl Feuer gefangen, so dass mehrere Schieferziegel durchgebrochen waren und nunmehr auf dem Brustkorb der Leiche lagen. Seltsamerweise schien sich der Schaden nur auf den Holzboden unter der Leiche und einige Dachlatten über dieser zu beschränken. Offensichtlich hatte sich das Feuer nur lokal ausgebreitet und dadurch kaum Schaden verursacht. Bemerkenswert sollte hier aufgeführt werden, dass Dr. Booth keinerlei Erklärung dafür fand, weshalb sämtliche Heuballen aus trockenem Heu, die um den Leichnam herumlagen, völlig unversehrt waren und keinerlei Anzeichen eines Brandes oder Feuers zeigten – obwohl diese hätten bei einer Feuerquelle in der unmittelbaren Nähe sofort in Brand geraten müssen. Das Gesicht des Leichnams war zwar verkohlt, jedoch konnte man noch die Gesichtszüge des Mannes erkennen. Aus den Gesichtszügen und der ruhenden Stellung des Leichnams schloss Dr. Booth, dass sich jener Mann wohl zum Zeitpunkt des Todes im Schlaf befunden haben musste.

Dr. Booth versuchte daraufhin die Umstände dieses mehr als ungewöhnlichen Todes zu rekonstruieren. Durch Befragung aller Personen aus dem näheren Umkreis fand er heraus, dass es sich beim Opfer um einen alten Soldaten handelte, der dem Alkoholgenuss nicht abgeneigt war, weshalb er ihn als Trinker einstufte. Zuletzt wurde dieser Mann am vorhergehenden Abend gesehen, als er mit einer Flasche und einer Lampe auf den Heuboden ging. Zunächst ging man also davon aus, dass der alte Mann die Lampe umstieß und vom Alkoholrausch umnebelt schließlich verbrannte. Die extrem beschränkten lokalen Schäden ließen sich jedoch mit dieser Theorie nicht erklären. Zudem hatte man beobachtet, dass die Lampe kurz nach dem Betreten des Heubodens verlosch. Das Feuer brach aber augenscheinlich erst im Laufe der Nacht aus. Eine Erklärung für dieses Rätsel konnte auch bei genauerer Betrachtung nicht gefunden werden.

Am 21. April 1888 wurde der Bericht von Dr. Booth im British Medical Journal veröffentlicht. Bei diesem Ereignis handelte es sich laut Dr. Booth um einen typischen Fall einer Spontanen Selbstentzündung, einen jener Fälle, bei denen sich ein menschlicher Körper scheinbar selbst entzündet und mit großer Hitzeentwicklung verbrennt, ohne jedoch offene Flammen zu entwickeln, die umliegende Gegenstände entzünden könnten. Für dieses Phänomen gibt es bis heute keine belegte Erklärung, aber mehrere Theorien, welche Auslöser für ein solches Phänomen dienen können. Wie genau nun das Geschehen auf dem Heuboden stattfand, bleibt auch heute noch ein ungelöstes Rätsel…

Illustration aus dem British Medical Journal vom 21. April 1888
Illustration aus dem British Medical Journal vom 21. April 1888

 
Quellen

  • Case of so-called ‚Spontaneous Combustion‘ von J. Mackenzie Booth, Artikel im British Medical Journal, April 21, 1888. S. 841 ff. (Online)
  • Case of so-called ‚Spontaneous Combustion‘ von J. Mackenzie Booth, Artikel im Medical Temperance Journal, July 1890. S. 171-173
  • Fatal Burning Accident in Aberdeen, Artikel im Aberdeen Weekly Journal, Montag, 20.02.1888
  • Tod eines alten Soldaten von Michael Schneider, Artikel in ‚Der einsame Schütze‘, März 2005

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