Krankheiten aus dem All?

Mitarbeiter der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA haben im Jahr 2000 mit Hilfe neu entwickelter Technologien in einem 4,6 Milliarden Jahre alten Meteoriten versteinerte Mikroorganismen entdeckt, bei denen es sich nach Überzeugung des NASA-Astrobiologen um Richard Hoover möglicherweise um Bakterien handeln könne, die unter extremen Bedingungen überleben. Dieser Meteorit war 1969 in der Nähe der australischen Stadt Murchison eingeschlagen. Auf Aufnahmen mit dem Elektronenmikroskop wiesen diese Ähnlichkeiten mit Mikroorganismen auf, wie sie etwa unter der Eisdecke der Antarktis vorkommen. Man schloss aus, dass es sich bei den versteinerten Kleinstlebewesen lediglich um biologische Kontaminierungen des Meteoriten handelte, da man mit Hilfe neuer Techniken Unterschiede sofort feststellen konnte. Die NASA untersuchte Gesteinsproben von sechs weiteren Meteoriten, die nach Einschätzung der Wissenschaftler ebenfalls Mikroorganismen beherbergt haben könnten.

Sollte eine Vision aus der Science-Fiction-Literatur doch auf Tatsachen beruhen?
In der einschlägigen Literatur und in Filmen wird oftmals vor einer Invasion aus dem Weltall gewarnt. Allerdings geht es in den Büchern und Filmen meist um aggressive Außerirdische, die mit Waffengewalt die Erde angreifen. Auf ein anderes Szenario für die Eroberung der Erde gingen Schriftsteller und Drehbuchautoren nur begrenzt ein: Die Kontamination durch Viren und Mikroorganismen aus dem Weltall.

Schon im Altertum und im Mittelalter hatten Menschen Respekt vor Kometen am Himmel, die meist als böses Omen galten. Diesen wurden Krankheiten, wie z.B. die Pest und die damals fast immer tödlich verlaufende Influenza zugeschrieben. Im 15. Jahrhundert erst wurde die gemeine Grippe als Influenza benannt (nach lat. influenz für Einflussnahme). Man glaubte die Krankheit entstehe durch den Einfluss der Sterne. Auch die Pockenepidemien zu dieser Zeit wurden, bzw. werden einem immer noch unbekannten Kometen zugeschrieben. Er soll die Erde in einer entsprechenden Periode umkreisen und könnte folglich immer wieder auftauchen und diese Krankheit zurückbringen.

Auch in dieser Illustration aus dem Jahr 1910 sieht man deutlich die Angst der Menschen vor Kometen, in diesem Fall das Auftauchen des Halleyschen Kometen.
Halleyscher Komet, 1910

In den Jahren 1957 und 1968 herrschten verheerende Grippeinfektionen auf der Erde, die damals viele Menschenleben forderten. Die beiden Wissenschaftler Hoyle und Wickramasinghe verknüpften diese beiden Epidemien mit den Virusinfektionen die 75 bzw. 78 Jahre vorher auftraten und kamen zu dem Ergebnis, dass diese Infektionen im Zusammenhang mit einem Kometen stehen könnten. Ihre Theorie bestand darin, dass die Epidemien von Schuttpartikeln ausgelöst wurden, die sich im Schlepptau eines Kometen befanden. Zwei der schlimmsten Epidemien, 1957 und 1968, waren die sogenannte Asiatische- und die Hongkong-Grippe.

Auch das Wetter spielte im Jahr 1957 verrückt, schon im Februar wurden mancherorts Temperaturen bis zu 20° Celsius gemessen. Am 1. Juli hatte man mit 34,3° Celsius den heißesten Tag in Berlin seit 53 Jahren. Am 23. September wurden die ersten Schulen wegen der Grippeepidemie geschlossen. Am 21. Oktober fielen alleine in Berlin 12 Menschen der Grippe zum Opfer.

Sollte die umstrittene Theorie dieser beiden Wissenschaftler stimmen, werden wir bestimmte Krankheiten nie bekämpfen bzw. ausmerzen können, da die Erreger in bestimmten Abständen immer wieder von Kometen und Meteoriten in die Erdatmosphäre geschleudert werden. Eine Tatsache ist, dass im Weltall organische Moleküle identifiziert wurden. Es gibt also „gebrauchsfertige“ Bauelemente lebender Zellen dort draußen, die nur darauf warten aufgenommen zu werden, z.B. von einem Kometen oder Asteroiden, der sie dann auf einem geeigneten Planeten wieder ablädt.

Eine vernichtende Kritik für diese Theorie kam allerdings vom Verfechter für Leben im Weltraum, Carl Sagan und seinem Kollegen Bishun Khare von der Cornell-Universität. Sie wiesen die These mit folgendem Argument zurück: „Selbst wenn das Leben im All entstanden wäre, hätte der Evolutionsprozess auf der Erde unweigerlich anders verlaufen müssen als im Weltraum.“ Demnach dürfte ein Virus aus dem All nicht mit menschlichem Leben kompatibel sein. Astro- und Exobiologen halten jedoch dagegen, dass diese Bausteine des Lebens oder gar lebensfähige Mikroorganismen grundsätzlich keine Krankheitserreger seien, sondern erst in Kombination mit anders entwickelter DNS für diese durch inkompatible Interaktion zu Krankheitssymptomen führen.

Derzeit ist es verfrüht die Theorie von Hoyle und Wickramashinghe abzutun, zumal es immer neue Entdeckungen gibt, die für komplexe biologische Bausteine aus dem All sprechen. Möglicherweise kommen die Auslöser bestimmter Krankheiten von jenseits der Sterne, um hier ihre Wirkung in Wechselwirkung mit bestehendem Leben zu entfalten.

 

Quellen:

  • AFP Pressemeldung, 18. Dezember 2000
  • Interview mit Richard Hoover, Herald Sun, Melbourne, 18. Dezember 2000
  • Martina Lohr: Viren aus dem All?, Magazin Der einsame Schütze, Januar 2001

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