Der Vampir von Highgate

Gegen Ende der 1960er Jahre geschahen in Großbritannien auf dem Highgate Friedhof, einem Friedhof der Stadt London, der im Jahr 1839 eröffnet wurde und heute im Stadtbezirk Camden liegt, seltsame Vorgänge, die zu einem alarmierenden Zustand führten und viele Menschen den Friedhof daraufhin mieden. Nicht zuletzt aufgrund von Medienbeiträgen in Presse und TV, die von einer Vielzahl paranormaler Erscheinungen auf dem Friedhof berichteten.

Alles fing ganz harmlos an, als man hin und wieder den Kadaver eines toten Tieres auf und in der direkten Nähe des Friedhofs fand. Unter diesen Kadavern befanden sich viele Katzen, aber auch Hunde, Ratten und andere Tiere. Nachdem man immer mehr tote Tiere vorfand, ging man von einem sadistischen Tierquäler aus, der die Tiere vermutlich vergiftete. Eine erste Durchsuchung des Friedhofs blieb allerdings erfolglos.

Nach einiger Zeit und immer mehr aufgefundenen Tierkadavern nahm die Polizei die Ermittlung auf, um dem Tiermörder das Handwerk zu legen. Hierzu wurden erstmals die vorgefundenen Kadaver ärztlich untersucht, wobei man verblüfft feststellen musste, dass die betroffenen Kadaver fast vollständig blutleer zu sein schienen. Ein Umstand, mit dem keine beteiligte Person gerechnet hatte. Es entstanden mehrfach Gerüchte über Vampire und selbst Außerirdische wurden als Ursache mit diesen Tierkadavern in Verbindung gebracht. Eine vollständige Erklärung für dieses Phänomen wurde jedoch nicht gefunden.

Im Jahr 1969 wurde der Vorsitzende der Vampire Research Society (Gesellschaft zur Erforschung der Vampire), Sean Manchester, auf diese Vorgänge aufmerksam. Er begab sich umgehend auf Spurensuche vor Ort und untersuchte viele Kadaver persönlich. Wie bereits die Tierärzte vor ihm, so konnte auch er die genaue Todesursache nicht feststellen, abgesehen von dem Umstand, dass sich in ihnen scheinbar kein Blut mehr befand. Es wurden auch keinerlei Giftspuren entdeckt, ebenso wenig direkt sichtbare Verletzungen der Tiere. Nach seiner Einschätzung war es unmöglich, dass diese Tiere an Gift oder einer natürlichen Todesursache verstorben waren. Als Todesursache gab er paranormale Phänomene an.

Im März 1970 versuchte er auf drastische Art Herr über das unheimliche Geschehen auf dem Friedhof zu werden, indem er in einer Gruft mit drei leeren Särgen ein altes Ritual zur Vertreibung des Bösen durchführte. Doch ein Erfolg wollte sich daraufhin nicht einstellen und man fand immer wieder neue Tierkadaver.

Sean Manchester ließ das Geschehen nicht in Ruhe, und so suchte er immer weiter nach dem Auslöser dieser Vorkommnisse – dem Vampir selbst, den er dahinter vermutete. Im Laufe der Zeit wurden es weniger Kadaverfunde, was allerdings aus dem Umstand resultierte, dass die Anwohner ihre Haustiere bei Einbruch der Dunkelheit in den Häusern einschlossen. Aber die seltsamen Funde hörten nicht auf.

Im Jahr 1973 fand Sean Manchester unter einem verfallenen Haus in der Nähe des Friedhofs einen Sarg mit einer Leiche, die er für den Vampir von Highgate hielt. Nachdem die Leiche ordnungsgemäß entfernt wurde, endete auch die Todesserie unter den Tieren auf dem Friedhof. Weitere ungewöhnliche Kadaverfunde wurden seither nicht mehr bekannt. Jedoch gibt es selbst noch lange Zeit nach diesem Ereignis einige Berichte, die von ungewöhnlichen Vorgängen auf dem Friedhof erzählen.

Trieb tatsächlich ein Vampir auf dem Friedhof des Nachts sein Unwesen? Oder wurden die Tiere lediglich Opfer anderer Tiere, die sich geschützt auf dem großen Friedhofsgelände mit viel Baumbestand verbergen konnten? Auch eine Seuche oder Vergiftung mit nicht berücksichtigten Substanzen liegt im Bereich der Möglichkeiten für eine Erklärung.

Fakt ist, dass der Friedhof auch heute noch eine unheimliche Aura ausstrahlt, die den Besucher umgibt. Und ein Besuch des Friedhofs lohnt sich auf jeden Fall, nicht zuletzt wegen den Grabmalen großer Persönlichkeiten.

 

 
Quelle: Michael Schneider, Der Vampir von Highgate, in ‚Der einsame Schütze‘, Mai 2001

 

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