Die Legende von Grendel

Das angelsächsische Heldenepos Beowulf aus dem siebten oder achten Jahrhundert n. Chr. berichtet vom Ungeheuer Grendel, einer gar schrecklichen Kreatur, die keinen Lärm ertragen konnte und schreckliche Rache nahm, wenn diese in ihrer Ruhe gestört wurde. Auf jeden Fall eine wunderbare Geschichte aus der Mythologie. Doch ist diese Geschichte nur Legende oder könnte doch ein Funken Wahrheit dahinter stecken?

Grendel wird im Heldenepos des Beowulf als bösartiger, menschenähnlicher, großer Teufel beschrieben, der irgendwo in den Marschen nahe der Burg des dänischen Königs Hrothgar hauste. Das Unglück nahm seinen Lauf, als sich König Hrothgar einen neuen Festsaal bauen ließ, in dem es Nacht für Nacht hoch herging und lauthals gefeiert wurde. Das Lachen und Singen der Krieger drang bis zu Grendels Behausung hinüber, doch das Ungeheuer hasste nichts so sehr wie Lärm, Musik und Fröhlichkeit. Eines Nachts, als wieder Ruhe nach einem Festgelage einkehrte, schlich Grendel zur Burg und drang in den großen Saal ein. Er fand Hrothgars Männer volltrunken und schlafend am Boden liegend, packte dreißig von ihnen und kehrte in seine Höhle zurück, um diese dort zu fressen. Mit dieser Tat wurde sein Appetit auf Menschenfleisch geweckt. Von nun an schlich er Nacht für Nacht zur Burg und holte sich immer mehr von Hrothgars Mannen. Dieses schreckliche Treiben des Grendel dauerte 12 Jahre. Schließlich konnte der König keine Feste mehr abhalten, da die Gäste sich weigerten auf seine Burg zu kommen.

Beowulf, ein junger Krieger, hörte von Grendels Schreckenstaten und brannte darauf sich mit dem Ungeheuer im Kampf zu messen. Er überredete den König zum Schein ein neues Fest abzuhalten, um den bösartigen Grendel anzulocken. Nachdem das Fest beendet und wieder Ruhe eingekehrt war, tauchte Grendel wieder auf der Burg auf. Doch als Grendel den Festsaal betrat griff Beowulf das Ungeheuer umgehend an. Der folgende Kampf dauerte mehrere Stunden, bis gegen Morgengrauen das Ungeheuer dermaßen geschwächt war, dass Beowulf diesem einen Arm ausreißen konnte. Verletzt zog sich Grendel zurück und starb in seiner Höhle an seinem hohen Blutverlust.

Grendel
Grendel-Darstellung von Henrietta Elizabeth Marschall, 1908

Auf den ersten Blick eine phantastische Sage, doch welchen Hintergrund könnte diese Geschichte besitzen? Der dänische König Hrothgar war laut der nordischen Geschichte ein Herrscher, der im 6. Jahrhundert auf seiner Burg auf der größten dänischen Insel Seeland nahe der Küste lebte und regierte. Doch wer oder was war Grendel? Laut Beschreibung handelte es sich um ein großes, behaartes Ungeheuer, das scheu und zurückgezogen in seiner Höhle in den abgelegenen Marschen der Insel hauste. Vermutlich wurde sein Interesse durch die Stimmen und den Lärm geweckt, so dass dieses Wesen auf die Burg schlich.

Betrachtet man die Beschreibungen genauer, lassen sich viele Übereinstimmungen mit dem beschriebenen Verhalten der „Wilden Männer“ finden. Diese sollen zurückgezogen vor den Menschen in dichten Wäldern und Gebirgswäldern existieren, bzw. in Mitteleuropa bis ins späte Mittelalter existiert haben, aber noch heute in Osteuropa, Russland und bis Sibirien und Asien verbreitet sein, wo diese u.a. als Alma, Almasty, Yeren oder zusammenfassend Yeti bekannt sind, um nur einige der vielen regionalen Bezeichnungen zu nennen. Aus Sicht der Hominologie könnte es sich hier um nahe Verwandte des Menschen handeln, möglicherweise sogar sehr nahestehende, wie etwa bis heute überlebende Gruppen von Neandertalern. Sowohl das beschriebene Verhalten als auch die körperlichen Attribute des Grendel sind hier übereinstimmend. Auch alte Darstellungen des Grendel stützen diese Theorie.

Wird im Heldenepos von Beowulf die Begegnung mit einem jener „Wilden Männer“ beschrieben, der sich auf Menschenfleisch spezialisierte oder der Menschen angriff und tötete?

 

 

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