Vampire: Der Fall Arnold Paole

Vampire zählten für unsere Vorfahren zu den schrecklichsten Erscheinungen, wenn die Toten nach ihrem Ableben wieder auferstehen, die Lebenden tyrannisieren und nach deren Blut dürsten. Man entwickelte Schutzmaßnahmen gegen diese und begab sich auf die Suche nach diesen Untoten, um diesen das Handwerk zu legen. Auch heute noch hat man in weiten Teilen der Welt Angst vor diesen Wiedergängern, auch wenn diese heute ein Teil der Populärkultur geworden sind.

So auch der Fall des Soldaten Arnold Paole, der nach seinem Ableben für eine Vampirhysterie sorgte.

Während eines Feldzugs in Griechenland erlebte der junge serbische Soldat Arnold Paole schreckliche Dinge. Er vernahm die Schreie seiner sterbenden Kameraden auf dem Schlachtfeld und musste hundertfach dem Tod ins Auge blicken. Doch sein schlimmstes Erlebnis fand nicht auf dem Schlachtfeld statt, sondern war eine Begegnung mit einem Vampir, einem jener Wesen, die sich als lebende Tote vom Blut der Lebenden ernähren. Als er im Jahre 1727 endlich wieder heimkehrte, erzählte er seiner jungen Braut von diesem Erlebnis, versicherte ihr aber, dass kein Grund zur Besorgnis bestünde.

Vampirin

Kurze Zeit nach der Rückkehr in sein Heimatdorf Meduegna in der Nähe von Belgrad hatte Paole einen Unfall und verstarb an den Folgen eines Sturzes. Nachdem er zu Grabe getragen wurde, häuften sich jedoch die Berichte, dass man ihn während der Abendstunden durch das Dorf gehend gesehen habe. Die Zahl der Sichtungen von Arnold Paole nahm solche Ausmaße an, dass man diese nicht weiter ignorieren konnte.

Mehrere Personen, die den Untoten gesehen hatten, verstarben kurze Zeit später unter mysteriösen Umständen. Angst breitete sich unter den Dorfbewohnern aus und Gerüchte verbreiteten sich. Am vierzigsten Tag nach der Beisetzung machte sich eine Gruppe besorgter Dorfbewohner auf den Weg, das Grab von Arnold Paole zu öffnen. Was man vorfand, versetzte die Gruppe in Angst, denn sein Körper war sehr gut erhalten und in den Mundwinkeln stellte man frisch getrocknetes Blut fest. Der anwesende Militärarzt Johannes Flickinger berichtete: „Er war unversehrt, nicht verwest und frisches Blut trat aus Augen, Nase, Mund und Ohren. Die alten Finger- und Fußnägel und die alte Haut waren abgefallen und neu nachgewachsen. Dadurch erkannten sie, dass es ein Vampir war, und stießen einen Pfahl durch sein Herz, so wie es Sitte war, worauf er ein Stöhnen von sich gab und heftig blutete.“

Nach diesem Vorgang wurde seine Leiche verbrannt, zusammen mit vier weiteren Leichen, die ebenfalls mit ihm in Verbindung zu stehen schienen.

In den folgenden Jahren verstarben im Dorf jedoch noch weitere Personen unter mysteriösen Umständen, so dass Johannes Flickinger im Jahre 1732 in Begleitung der beiden Chirurgen Isaac Seidel und Johann Baumgartner aus Belgrad nochmals den Friedhof untersuchte. Alle Gräber seit dem Jahr von Arnold Paoles Tod wurde geöffnet. Während dieser Untersuchung fand man 15 weitere Vampire, meist Frauen, mit verdächtig rosigen Wangen und gesundem Aussehen. Offensichtlich war Paole mit seiner untoten Gunst großzügiger umgegangen, als man es vermutet hatte.

Dieser Vorfall löste eine regelrechte Vampirpanik aus, so dass selbst das Gerücht einer Vampirinvasion entstand. Die serbische Regierung sandte eine Kommission aus, die in weiteren Dörfern in der Nähe von Belgrad fündig wurde und auch dort der Vampirinvasion durch die Vernichtung der Vampire ein Ende zu setzen versuchte.

Genährt wurden diese Gerüchte auch durch Berichte von angesehenen Personen, wie etwa der Erzählung des Grafen Cadreras, der 1730 in Freiburg erklärte, er habe in einem Dorf an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn die Leiche eines vor zehn Jahren gestorbenen Bauern exhumiert, der einen unverwesten Eindruck gemacht habe.

Mit heutigen medizinischen Erkenntnissen lassen sich viele der gemachten Beobachtungen an den Verstorbenen auch anderweitig erklären, wie weiter wachsende Fingernägel und Haare nach dem Tode, die zur damaligen Zeit noch nicht zur Verfügung standen. Allerdings erklärt dies nicht, dass der Verstorbene nach seinem Tode noch mehrmals gesehen wurde. Handelte es sich um eine Legendenbildung, oder steckt weitaus mehr hinter diesen Ereignissen?

Auszug aus einem Artikel von Michael Schneider im Magazin Der einsame Schütze, 1999

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