EMO – Das Geheimnis des Monsters vom Edersee

Große Fische
Bewegungen von großen Fischen an der Oberfläche von Gewässern können je nach Blickwinkel für ein Seeungeheuer gehalten werden.
Der Edersee in Nordhessen (Waldeck) ist der Stausee der Edertalsperre, welche den Fluss Eder aufstaut. Im Stausee werden seit Jahren seltsame Sichtungen vernommen, so dass sich in der Region der Name Ederseemonster und auch dessen Kurzform EMO verbreitet hat.

Die erste bekannte Sichtung im Edersee selbst erfolgte 1979 durch eine Gruppe Hobbytaucher am Ufer des Sees, nahe des untergegangenen Dorfes Berich. Die Männer bemerkten, wie ein schlangenartiges Wesen sie aus dem Wasser heraus zu beobachten schien. Als die Taucher es schwimmend verfolgen wollten, verschwand es im tiefen Wasser. Während des Tauchganges wurde es nicht wieder gesehen. Seit diesem Zeitpunkt gab es immer wieder Sichtungen von seltsamen Wesen im See, wobei besonders in warmen Sommern, wenn der See weniger Wasser führt, vermehrt Meldungen auftauchen.

So kam es im Jahrhundertsommer des Jahres 2003 zu einer wahren Sichtungswelle, als der See kaum noch Wasser führte und selbst einige der im See untergegangenen Gebäude wieder trocken lagen. In diesem Sommer sahen eine große Menge an unabhängigen Zeugen das mutmaßliche Monster des Sees.

Ende August 2005 wurde das Wesen von einer Gruppe Jugendlicher am Strandbad Rehbach gesehen.

Im Jahr 2008, als der Edersee wieder nur Niedrigwasser führte, wurden wir mehrfach aufgrund von seltsamen Sichtungen gerufen. Auch 2009 und 2010 setzte sich diese Sichtungswelle fort, vor allem in den Bereichen Nahe des alten Dorfes Berich und in der Nähe der Staumauer, wo eine Menge Touristen tagtäglich unterwegs sind.

Jetzt schreiben wir 2013 und wieder sinken die Pegelstände im Edersee während er heißen Sommerwochen. Erste Meldungen über ungewöhnliche Sichtungen im Stausee haben mich bereits per eMail erreicht.

Die Beschreibungen des Auftauchens ähneln sich in fast allen bekannten Fällen und sind in folgendem Schema zusammenzufassen: Das Wesen wird als schlangenartig beschrieben, mit einer gemeldeten Länge zwischen einem und etwa 3 Metern. Die Zeugen berichten von einer grau-braunen Färbung. Meist wird die Schwimmweise als schlängelnd beschrieben. Interessanterweise entspricht diese Beschreibung der Bewegung ziemlich genau dem üblichen Muster von anderen Seeungeheuern, weshalb man hier vorab davon ausgehen muss, dass die Zeugen bereits vorab durch andere Geschichten beeinflusst waren und in diesem Fall die Erinnerung der nicht erklärbaren Sichtung unbewusst mit diesen Geschichten zusammengemischt wurde. Ein alltäglicher Vorgang, den man nicht nur im kryptozoologischen Zusammenhang sehen kann.

Die ältesten Berichte, welche noch aus der Zeit vor dem Bau der Staumauer in den Jahren von 1908 bis 1914 stammen, kommen von Fischern aus Dörfern an der Eder, welche beim Lachsfangen von einem sehr großen Lachs berichteten, der bis auf eine ähnliche Körperform keine Ähnlichkeit mit selbigem aufwies und auch nie gefangen werden konnte.

Bei eigenen Untersuchungen am Edersee, wobei ich in den Jahren von 2005 bis 2012 mehrfach den See nach Kontaktaufnahme durch Augenzeugen besucht habe und diesen Geschichten vor Ort nachgegangen bin, kommt man allerdings recht schnell dahinter, dass es sich vornehmlich um Begegnungen mit großen Fischen und optischen Täuschungen handelt. Der Edersee selbst ist sehr fischreich, mit einigen wirklich großen Hechten, großen Welsen und Aalen. Auch große Karpfen direkt an der Wasseroberfläche bieten einen beeindruckenden Anblick. Bei entsprechendem Blickwinkel, Wellengang oder Sonnenstand sind solche großen Fische, die sich an der Oberfläche bewegen, durchaus für wesentlich größere Tiere zu halten. Besonders an heißen Tagen kann es vorkommen, dass sich Karpfen direkt in Ufernähe knapp unter der Oberfläche aufhalten und sogar hin und wieder das Maul aus dem Wasser strecken. Und auch große Welse von einem Meter Länge und mehr, die sich einem Badenden oder einem Boot nähern, können durchaus das Hirn eines Beobachters täuschen, wenn dieser die Bewegung eines solch großen Fisches im Wasser und in seiner Nähe wahrnimmt.

Der Edersee selbst ist mit 11,8 km² Wasseroberfläche und mit 199,3 Mio. m³ Stauraum der flächenmäßig zweit- und volumenmäßig drittgrößte Stausee in Deutschland und liegt am Fulda-Zufluss Eder hinter der 48 m hohen Edertalsperre bei der Kernstadt von Waldeck im Landkreis Waldeck-Frankenberg (Nordhessen). Die reguläre Wassertiefe beträgt im Schnitt etwa 42 m bei normalem Pegelstand, bei Niedrigwasser entsprechend weniger.

Interessant an der Geschichte des Ederseemonsters ist, dass es vor 1979 keine einzige bekannte Erwähnung einer ungewöhnlichen Sichtung im See selbst zu geben scheint. Dafür gibt es eine Reihe von Geschichten über Geistererscheinungen am See und im Umland, vor allem im Bereich der gefluteten Dörfer. Erst nach 1979 kamen immer wieder Meldungen über ungewöhnliche Tiere im See, wobei ich selbst einige Geschichten dokumentieren konnte. Nach dem Sommer 2003 schien sich allerdings die Geschichte des EMO (Ederseemonster) zu verbreiten, wobei das Internet sicher eine gewisse Rolle spielte. Seit 2003 erhalte ich immer wieder diverse Geschichten und Berichte über ungewöhnliche Begegnungen im Edersee.

Während meiner eigenen Ermittlungen vor Ort konnte ich allerdings nur verschiedenste Fische und Wasserbewegungen nach Zeugenbeschreibung identifizieren. Das Geheimnis des Monsters vom Edersee ist ein typischer moderner Mythos, der sich durch die multimediale Vernetzung verbreitet. Die typischen Zeugen sind gewöhnliche Menschen, die etwas für sie nicht sofort erkennbares im Wasser gesehen haben, die allerdings bereits diverse Seeungeheuergeschichten kennen und somit ganz unbewusst in der menschlichen Psyche diese Details vermischen.

Autor: Michael Schneider

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