Spuk im Hutgeschäft

Spuk im Hutgeschäft

Ein interessanter Fall eines starken Poltergeistphänomens, der zudem auf einen heftigen wiederkehrenden Spuk im Haus hindeutet, ist der Fall der jungen Hilde John, der sich im Jahr 1920 in Dresden ereignete.  

Köberlings Hutgeschäft, Dresden, 1920

Creepy Sisters

Die damals sechzehnjährige Hilde John, die als Dienstmädchen der Inhaber von Köberlings Hutgeschäft angestellt war, steht bei diesem Fall im Mittelpunkt des Geschehens. In ihrer Nähe geschahen merkwürdige Dinge, so z.B. wenn das Mädchen in die Küche kam, flogen urplötzlich überall die Kartoffeln umher. Selbst große und schwere Gegenstände, wie der schwere Kohlenkasten, ließen sich nicht halten und flogen vom Boden auf einen Schrank. Ein anderes Mal flog der Kohlenkasten in eine Ecke und klebte dort regelrecht an der Wand, an einer Stelle, an der er niemals hätte halten können.

Von Tag zu Tag spitzten sich die Ereignisse zu.  So flog als Beispiel beim Aufwischen des Bodens im Geschäft der gefüllte Putzeimer wie durch Geisterhand geführt in das Schaufenster.  An einem kalten Abend rollte ein schwerer Polstersessel aus dem Nebenzimmer auf das Mädchen zu. Hilflos mußte sie und ihre Hausherren mit ansehen, wie aus dem Waschbecken mehrere Messer flogen und unmittelbar vor ihnen sich in einer geraden Reihe in den im Raum befindlichen Tisch bohrten und dort in der Platte steckenblieben.

Die Situation eskalierte immer weiter und die Ereignisse wurden immer mysteriöser. Einmal war Hilde unterwegs um Fische einzukaufen. Als sie von ihrem Einkauf in ihr Dienstmädchenzimmer im dritten Stock zurückkehrte, stellte sie erstaunt fest, dass die Fische aus der verschlossenen Papierverpackung verschwunden waren. Sie kehrte um und entdeckte an jeder Türklinke, die sie zuvor berührte, einen dieser Fische hängen. Dies passierte auch an anderen Tagen, gerade frisch eingekauftes Fleisch war aus der Papierumhüllung verschwunden und hing an einem Schrankknopf, den sie ebenfalls kurz vorher berührte.

Die Hilflosigkeit, die sich in ihr ausbreitete, wurde mit jedem Ereignis immer schlimmer. Schließlich kam es soweit, dass sich an den Stellen, wo Hilde mit ihren Füßen den Boden berührte, sich Wasser in ihren Fußspuren sammelte. Das Wasser trat nur an diesen Stellen auf, mal regnete das Wasser von der Zimmerdecke, die jedoch keine Wasserspuren zeigte, mal drang es aus dem Boden und füllte die Fußspuren. An manchen Stellen waren die Wasserpfützen bis zu 3 cm hoch, es sah aus, als ob es in einem Glaskasten auf dem Boden stand. Eine gründliche Untersuchung der Wasserleitungen stellte nichts ungewöhnliches fest.

Die Besitzer des Hutladens zogen aus Verzweiflung und Angst die Polizei und den zuständigen Amtsarzt des Bezirkes zu rate. Auf deren Empfehlung hin entließen sie das Dienstmädchen. Mit ihr verschwanden auch die rätselhaften Phänomene im Haus und nach verlassen des Hauses endete auch der Alptraum für die junge Hilde John.

Durch spätere Untersuchungen stellte man fest, dass bereits zu früheren Zeiten im selben Haus ähnliche Vorfälle stattfanden.

Poltergeist oder Spuk?

Welche Gründe mögen der Auslöser für diesen Spuk im Haus der Familie Köberling gewesen sein? Wollte eine bisher unbekannte Macht das Dienstmädchen Hilde John aus dem Haus vertreiben und spukte daher so intensiv? Weshalb wurde nur das Dienstmädchen von diesen Phänomenen heimgesucht?

Da die Phänomene endeten, als Hilde John das Haus verließ und sie selbst später niemals mehr von ähnlichen Ereignissen verfolgt wurde, stellt sich die Frage, ob es sich um einen manifestierten Spuk handelte, der sich nur zeigte, da ein Geisterwesen eine Abneigung gegen das Mädchen besaß und diese aus dem Haus vertrieben werden sollte?  Vor allem da dies nicht der  erste derartige Vorfall im Hause war.

Die Anzeichen würden auch für ein Poltergeistphänomen sprechen, allerdings geht man davon aus, dass für einen Poltergeist unbewusst die betreffende Person als Fokusperson verantwortlich ist und diese die Phänomene nur durch eigene unkontrollierte mentale Fähigkeiten auslöst.  Oftmals ausgelöst durch starken emotionalen Stress oder Veränderungen im Körper, wie der Beginn der Pubertät oder bei Frauen der Beginn der Wechseljahre.  Möglich wäre dies natürlich, dass Hilde sich mitten in einer pubertären Phase befand und möglicherweise Spannungen mit ihren Dienstherren auftraten, eventuell auch sexuelle Konflikte herrschten, da sich Hilde im Alter befand eine junge Frau zu werden und heimlich Gefühle für den Hausherrn oder eine andere Person hegte.

Allerdings sprechen einige Punkte gegen ein normales Poltergeistphänomen.  Betroffene Fokuspersonen eines Poltergeistphänomens werden im Regelfall über einen längeren Zeitraum auch nach Änderungen im Lebensumfeld noch mit diesen Phänomenen konfrontiert, auch wenn diese mit der Zeit immer schwächer werden und schließlich verschwinden.  Für Hilde jedoch ist dokumentiert, dass die Phänomene auch für sie abrupt endeten, als sie das Haus verließ.  Der andere fragwürdige Punkt ist wie gesagt jener, dass bereits in der Vergangenheit im selben Haus ähnliche Dinge passierten, als Hilde John weder im Haus lebte oder bereits geboren war.  Und die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere Personen über einen langen Zeitraum immer wieder die selben Poltergeistphänomene im gleichen Haus auslösen, ist verschwindend gering.  

Vieles deutet hier auf einen wiederkehrenden Spuk hin, der immer dann aktiv wurde, wenn eine ihm unangenehme Person im Haus lebte.  

Verwendete Quelle
ParaMagazin, Ausgabe 2, 2011
Magazin „Der einsame Schütze“, März 2001

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